Freitag, 29. Februar 2008

don't give up - Tent of Nations

jalla! nach langer zeit gibt es heute endlich mal infos zum aktuellen stand unserer reise und einen ueberblick zu den projekten die wir besuchen.

seit sonntagabend sind wir auf Daher’s weinberg, suedlich von bethlehem, mitten in der westbank. das land der familie Nassar befindet sich in der sogenannten area C – das bedeutet volle israelische kontrolle (im gegensatz zu gebieten, die teilweise auch unter palaestinensischer militaerkontrolle oder sogar voellig von palaestinensern kontrolliert sind..). die Nassars sind christen und ausserdem palaestinenser; sie leben seit generationen hier auf diesem land und haben von verschiedensten besatzermaechten die entsprechenden papiere, die ihnen die rechte an ihrem land zusichern. der weinberg ist jedoch mittlerweile, bis auf 1 aussnahme, nur von juedischen siedlungen umgeben, und die israelis wuerden das land der nassars natuerlich auch sehr gerne in besitz nehmen. um dies zu erreichen, wird der familie das leben hier aeusserst schwer gemacht. das militaer rueckt regelmaessig an, um die zufahrts-strasse mit grossen steinbloecken zu versperren, oder illegale gebaeude abzureissen. (es ist palaestinensern naemlich verboten, bauwerke ohne genehmigung zu bauen. israelis haben diese auflage in der westbank nicht.) fliessendes wasser oder eine stromversorgung bekommt der weinberg ebenfalls nicht; darum haben Daher und seine familie viele zisternen, sonnenkollektoren und einen generator organisiert, und versuchen so, mit all den sanktionen zu leben.

eine weitere moeglichkeit, das land vor israelischen uebergriffen zu schuetzen, ist die gegenwart von internationalen besuchern. darum (und natuerlich auch wegen allerhand arbeit auf dem weinberg..) gibt es jedes jahr 2 zivis und jede menge freiwillige helfer, die hier leben und mitarbeiten. das sogenannte “tent of nations” hat mittlerweile weltweit viele freunde und unterstuetzer und steht somit unter internationaler beobachtung – ein weiterer bonus im kampf gegen die maechtigen.

im sommer finden hier eine menge aktivitaeten statt, die zum einen der palaestinensischen bevoelkerung den zugang zur natur zeigen sollen, und zum anderen animieren sollen, das land nicht einfach aufzugeben, sondern sich dafuer einzusetzen und selbst in aussichtsloser situation baeume zu pflanzen und friedlich fuer die eigenen rechte zu kaempfen.

wir sind in dieser woche zu regelrechten farmern geworden. neben jeder menge landwirtschaftlicher arbeit (die meistens ziemlich hart war..), fallen ebenso arbeiten mit den tieren (ziegen, huehner, hasen, 4 - 8 hunde, 1 pferd, 1 esel ..) und arbeiten in der kueche an (wobei hier eher wert auf die frauen gelegt wird..). punkt 7:30 laeutet Daher die glocke – reichhaltiges fruehstueck – arbeiten – teepause (schwarztee-salbei mit viel zucker..) – arbeiten – mittag – arbeiten – feierabend – lagerfeuer, abendessen und shisha. so ungefaehr sehen die tage aus. dazwischen passieren allerhand kuriose dinge, wie z.b. soldaten-sperre fuer ein taxi, das uns mit essen versorgen moechte, warnungen von israelischen siedlern (“there is no protection for you..”), aber auch viele viele schoene momente, hagel und sonne, fussball und wuerfelspiele, und eine unglaublich schoene landschaft.

seit mittwoch habe ich mich (mehr oder weniger erfolgreich – Daher sieht das nicht so gerne..) von der arbeit befreit, und versuche eindruecke vom land auf video festzuhalten. gestern war eine schulgruppe aus bethlehem zu besuch um baeume zu pflanzen und eine hoehle auszugraben. sie kamen bereits zum dritten mal. es war wirklich super sie bei ihrem einsatz zu filmen – im anschluss konnte ich noch einige sehr gute interviews von der lehrerin und 2 schuelerinnen bekommen.

mein eigentliches ziel der reise ist es ja, eine dokumentation ueber aktuelle lebensbedingungen in israel, bzw in der westbank, und ueber einige (friedens-) projekte zu machen. eines davon ist das “tent of nations”. ein anderes nennt sich ganz aehnlich – das “all nations café”. hier treffen sich juden, muslime und christen in der naehe der grenze, um gemeinsam zu leben und verschiedenste aktionen durchzufuehren.

wir werden morgen (samstag) hier aufbrechen, um auf dem land von Abed zu leben und diese leute kennenzulernen. am sonntag wollen wir dann mit ihnen in die judaeische wueste gehen, um gemeinsam zucchini zu pflanzen. jalla – das wird ein spass!

ausserdem sind noch ausfluege nach nablus (ebenfalls in der westbank) und zu einem offenen haus auf dem oelberg geplant. oftmals ergeben sich vor ort erst viele interessante kontakte, die wir hoffentlich noch alle abgeklappert bekommen.

achja – am schlimmsten ist hier der wind, der mir regelmaessig den sound beim filmen vermasselt. und heute hat mir nicht nur der wind einen strich durch die rechnung gemacht, sondern auch die wolken, die ganz ploetzlich da waren um die sonne zu verschlucken. vorbei mit filmen – fussball in den wolken.

die naechsten tage werden wir wohl erstmal ohne internet leben muessen. (voraussichtlich in einer hoehle..) .. bis denn.

www.tentofnations.org
www.allnationscafe.org
www.linkpalestine.org

.birger

Donnerstag, 28. Februar 2008

Foto-Update am Donnerstag

..fällt aufgrund saumäßig schlechter internet-verbindung wiedermal aus.
tut uns leid.

Dienstag, 26. Februar 2008

wir arbeiten jetzt im Bergbau...

Seit der teuren Petra-Besichtigung sind wir auf dem Spartrip und arbeiten jetzt unter Tage, graben Hölen aus, bauen Mauern, waschen Wäsche überm Feuer, arbeiten für Kost & Logie, und ich muss sagen ich kann mir im Moment nichts Tolleres vorstellen. Unser nächstes Projekt wird sein aus Ziegenmilch Käse herzustellen. Ich finds klasse.
I*

Montag, 25. Februar 2008

Area C

wir sind mittlerweile in bethlehem angekommen und wohnen und arbeiten seit gestern abend in daher's weinberg, bzw im "tent of nations".

theoretisch haben wir hier auch internet, aber jetzt wird gleich der generator abgestellt, darum kann's ein wenig dauernd bis wir uns wieder melden.

.birger

Samstag, 23. Februar 2008

Vier Studenten sorgen fuer Abwechslung in Petra

Mittlerweile in Jordanien angekommen machten wir uns gestern morgen auf um die Weltberuehmte Indiane Jones Kulisse (Petra) zu besichtigen. Um die horrenden Eintrittspreise zu umgehen folgten wir einem alten Backpacker-Pfad (Danke an Ju), uebersprangen einen Hotelzaun, ueberquerten ein ausgetrocknetes Wadi, umschlichen eine Tourist-Police Wachstation, um schliesslich in einer gewagten Kletteraktion in das "Allerheiligste" vorzudringen. Auf halbem Wege von gaffenden Touristenschaaren und Waechtern entdeckt, konnte die Haelfte von uns entkommen (die Eiferts naemlich), doch Birger und Kaethe mussten sich in einer Felsnische verstecken. Der Laermpegel am Fusse des Felsens lies uns (Birger und Kaethe) auf verstaerkte Truppenbewegungen schliessen. Urploetzlich stand ein barfuessiger Polizist vor uns. Uns rutschte das Herz in die Felsspalte. Nach und nach fuellte sich der Berghang mit immer mehr Rettungskraeften... wilde Befehle setzten ein: stand up! - whats your name?sit down! - stand up! how old are you? germany?... Nachdem die Buerokratie erledigt war folgte die praktische Rettung in Form einer riesigen Leiter und jordanischer Gebirgsjaeger. Unter tosendem Beifall wurden wir aus unserer auswegslosen Lage evakuiert. Fuer die Rettungskraefte stellte die Aktion eher eine willkommene Abwechslung dar und wir konnten ungeschoren weitergehen. Als wir dann jedoch vor der Hauptattraktion standen kam die boese Ueberraschung, der Security-Chef wollte unsere nichtvorhandenen Tickets sehen. Warum denn nur?Zwischenzeitlich ereignete sich naemlich folgende Story: Wir (Steffen und Iris) waren ja zuvor den Hang wieder hochgeklettert und schlichen uns ueber einen Seitenweg ins Tourigetuemmel. Doch als wir die Police-Station passieren wollten kam ein Wachmann zielstrebig auf uns zu gesteuert und fragte uns nach unseren (ebensowenig vorhandenen) Tickets. Tja, erwischt. Wollten uns noch rausreden, aber nach dem wir beim Manager und Kassenwart waren zogen wir freiwillig ab (bevor wir noch bei Kaethe im Gefaengnis landen...). Wir beschlossen nach Little-Petra (10 km vom Original entfernt) zu trampen. Als wir dort gerade so schoen am rumklettern waren kam ein Military und sagte wir sollen runterkommen, er habe uns doch gerade erst in Petra gerettet. Wir: "Hae??" Er: "Du bist doch Katrin und du bist doch Birger!" .........
Und die Moral von der Geschicht: Einbrechen lohnt sich nicht.

Als wir (B&K) bibbernd und betend in unserer Felsspalte sassen, kam uns eine unserer Urlaubslosungen in den Sinn, und half uns ruhig auszuharren:
"Denn der Herr hat gesagt: »Ich will dich nicht verlassen und nicht von dir weichen.« So können auch wir getrost sagen: »Der Herr ist mein Helfer, ich will mich nicht fürchten; was kann mir ein Mensch tun?«" (Hebraeer 13, 5-6)

Ja, bestens.

Montag, 18. Februar 2008

ach und uebrigends...

... haben wir gestern beim spielen unser ganzes Geld verloren, deshalb mussten wir jetzt Kaethes Haare als Schlaefenlocken verkaufen. Im Moment sind wir dabei in meine Haare auch Locken zu drehen, so dass wir unseren Schuldenberg tilgen koennen...
I*

was soll ich sagen...

...da reist man tausende von kilometern in den nahen osten, hat so diese reisekatalogbilder im kopf und dann so was. am sonntag auf der dachterrasse rumhaengen mit sonnenbrand im gesicht und zwei tage spaeter frostbeulen. koennen heute nur im hostel sitzen, schon wieder eine runde canasta oder wuerfelspielchen machen und hoffen das noch irgend ein bus aus jerusalem rausfaehrt. doch die chancen stehen eher schlecht. die stadt ist wie ausgestorben. alle laeden dicht. abwarten und tee trinken.
steffen






ein weiterer Blog-Eintrag

Gestern bekam Kaethe noch einen Sonnenbrand, und heute haben wir uns kalte Fuesse und nasse Koepfe geholt als wir von Yad Vashem (Holocoust Gedenkstaette) wieder zurueck zum Hostel fuhren. So gegensaetzlich wie das Wetter ist auch Jerusalem. Die Kulturen und Religionen krachen auf einander. Und wir stecken hier mittendrin im Geschehen...

Gestern warn wir abends noch an der Klagemauer, viele Leute waren da um ein Fax an Gott zu schicken. Uebrigens Sebastian, Kaethe konnte den Stein fuer dich leider nicht mitbringen, sie sitzt jetzt im Gefaengnis, als sie dabei erwischt wurde ihn fuer dich raus zu meiseln... wir koennen sie naechste Woche dann wieder abholen

Birger duerfen wir dann gleich anschliesend aus der Psychatrichen Klinik abholen, da er mit dem Jerusalem-Syndrom (http://de.wikipedia.org/wiki/Jerusalem-Syndrom) eingeliefert wurde. Er haelt sich fuer Noah und versucht die ganze Zeit all die Tiere in die Arche zu stopfen.

Immer was los hier.
I*

Sonntag, 17. Februar 2008

Citadel Hostel

boker tov!

wir sind gestern gut in israel gelandet, bei sonnenschein und 17 C.
auf dem flug lernten wir gleich zwei super-nette menschen kennen: abdullah, ein palaestinenser, der uns gleich auf eine woche in akko, inklusive auto und fuehrung eingeladen hat. und abir, ein jude mit einem faible fuer andalusische pferdezucht - ebenfalls mit einladung auf seine ranch. wie geil! auf jeden fall schon mal ein genialer einstieg.
bei uns ist das gepaeck dann gleich mit angekommen. dieses glueck hatten die arabischen fluggaeste leider nicht, denn ihnen (17 leute) wurde bei der ankunft gesagt, dass es wegen uebergewicht nachgeschickt werden muss. alles klar. (??)
nach einer kurzen besprechung unter palmen, haben wir beschlossen direkt nach jerusalem zu fahren. ein rasanter taxi-fahrer brachte uns schliesslich mit seinem sherut in die altstadt, und versorgte uns gleich mit jeder menge wertvoller tipps.
wir wohnen jetzt im citadel-hostel, einem verwinkelten, kleinen gebaeude im arabischen viertel, etwas kalt und eng, aber ziemlich praktisch und guenstig. heute nacht konnte ich ewig nicht schlafen, weil 2 meter neben meinem ohr ein urwald abgesaegt wurde. zwischendurch dachte ich noch, es wuerde besser als ich meinem nachbarn die decke weggezogen hatte, aber pustekuchen.. unglaublich!

hier noch zwei geschichten, die ein wenig zeigen, wie zuvorkommend und freundlich die menschen hier in diesem land sind:
auf der suche nach obst kamen wir gestern abend (schabbat - viele laeden geschlossen..) an einem pizza-laden vorbei. man wird natuerlich von absolut jedem angesprochen ob man nicht etwas kaufen moechte. nach einigen missverstaendnissen konnten wir dem pizza-mann klarmachen was wir suchten. leider hatte er nur fruchtsaefte im angebot, aber irgendwann standen dann 4 schalen mit allem moeglichen obst auf der theke, das er uns in eine tuete stopfte. for free - natuerlich. weil wir bei seinem freund, dem hostel-besitzer wohnen.
10 minuten spaeter wurden wir dann von einem juden, der auf ca. 2 quadratmetern, hinter einem fenster lebt, zum schabbat-mahl eingeladen. chaim war vor 6 monaten in erlangen. mal sehen ob wir es einrichten koennen, naechste woche mit ihm zu kommen.

unsere plaene waren eigentlich, morgen in richtung bethlehem zu fahren, und dort im tent of nations beim olivenbaum pflanzen zu helfen. jetzt ist das wetter jedoch ziemlich kalt geworden, und mittwoch soll es sogar schneien.. darum muessen wir uns wohl erst mal etwas anderes ueberlegen.

okay, das waere erst mal alles. bis bald!

schalom. birger und die israelis..




in den gassen der jerusalemer altstadt.

blick von unserer dachterrasse im citadelle hostel.

Freitag, 15. Februar 2008

erstes Lebenszeichen..

Im Moment sind wir noch in München bei Thomas und Bea.
Morgen, Samstag um 10 Uhr geht unser Flug nach Tel Aviv.

Gruß von Birger